Mitgliederversammlung der elag am 17./18.06.2009

Fachgespräch: Religiöse Erwachsenenbildung

13. Juli 2009

Ziel des diesjährigen Fachgesprächs war der Versuch einer Verortung kirchlicher Bildungsangebote zwischen Mission und öffentlich geförderter Weiterbildung. Religiöse Bildung ist ein grundlegender Bestandteil evangelischer Erwachsenenbildung. Demgegenüber stehen missionarische Angebote, die sich ebenfalls als Bildungsveranstaltungen verstehen. In den Kirchengemeinden gibt es beides. Wie geht die Evangelische Erwachsenenbildung damit um?

Das Eingangsreferat hielt Heike Wilsdorf, Pfarrerin und Leiterin des Fachbereichs Erwachsenenbildung der EKHN, Mitglied im Vorstand der elag und Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (DEAE): „Grundsätze religiöser Bildung als Profil evangelischer Erwachsenenbildung“. In ihrem bildungstheoretisch begründeten Vortrag verdeutlichte sie das Verständnis religiöser Bildung aus Sicht der Erwachsenenbildung. Die Prinzipien der Landeszentrale für politische Bildung im Bereich der Jugendarbeit (Beutelsbacher Konsens) „Überwältigungsverbot, Ausgewogenheit, Schülerorientierung“ gelten analog für die religiöse Bildung. Ziel von Bildung sei hier wie da „der selbstreflexive Umgang zu mir selbst, zu anderen, zur Welt“ und in der religiösen Bildung auch zu Gott. Daran müssen Kursangebote der EEB sich messen lassen, dh. sie müssen von ihrem Ergebnis her offen sein, was die meisten Kurse missionarische Anbieter nicht sein können und wollen.

Es gibt neben Glaubenskursen der EEB, die den Teilnehmenden die Auseinandersetzung mit ihrem Glauben ermöglichen, in Kirchengemeinden eben auch solche mit einem engen Zuschnitt. In diesem „Format Glaubenskurse“ gehe es um Glaubenserweckung. Die Kurse sind nicht ergebnisoffen; sie wollen den Glauben wecken und stärken, neue Kirchenmitglieder werben. Heike Wilsdorf machte deutlich, dass das Format missionarischer Glaubenskurse im Angebot der Kirchengemeinden ihren Platz und ihre Berechtigung haben. Sie können aber nicht als Erwachsenenbildung gelten. Hier seien deutliche Trennlinien zu ziehen. Heike Wilsdorf führte als – provokantes – Beispiel für den Unterschied einen Konfirmandenkurs an: Wenn ein Jugendlicher diesen Kurs belege und am Ende entscheide, sich nicht konfirmieren zu lassen, sei religiöse Bildung gelungen. Er habe sich reflexiv mit Religion auseinandergesetzt und auf dieser Basis seine Entscheidung getroffen.