Kategorie: Grundbildung

Alphabetisierungskurse und Unterstützungsmaßnahmen der ELAG 2017

Die ELAG wird 2017 weiterhin ein umfangreiches und vielfältiges Kursangebot im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung vorhalten. Neben niedrigschwelligen Kursen zur family-literacy oder erste Schritte zum Umgang mit dem PC führt die ELAG seit 2013 eine eigene Projektlinie durch, die über den Europäischen Sozialfonds (ESF) und das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz (MWWK) gefördert wird: 

Alphabetisierungskurse und Unterstützungsmaßnahmen der ELAG in der Pfalz, dem Hunsrück und in Rheinhessen.

Der aktuelle Bericht der Kultusministerkonferenz zur Nationalen Strategie zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland 2012 – 2016 betont die nach wie vor wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre, die Schriftsprachekompetenzen von Erwachsenen in Deutschland und die Grundbildung zu verbessern. Sind bundesweit 7,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter funktionale Analphabet/innen (Grotlüschen/Riekmann; 2011; Universität Hamburg), bedeutet das für Rheinland-Pfalz ca. 350.000 erwerbstätige Erwachsene, die keine zusammenhängenden Texte lesen und schreiben können und die erhebliche Defizite im Bereich der Grundbildung haben. Der demografische Wandel wird auch künftig erheblich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen des Landes Rheinland-Pfalz prägen. 

Eine besondere Herausforderung dabei ist neben dem funktionalen Analphabetismus eine mangelnde Grundbildung in vielen Bereichen. Teilhabe an Beruf und Gesellschaft erfordern den Aus- und Aufbau von Grundbildungskenntnissen wie Rechenfähigkeit, Grundfähigkeiten im IT-Bereich, Gesundheitsbildung, finanzielle Grundbildung, soziale Grundkompetenzen. Primäres Ziel der Grundbildungsangebote der ELAG ist es, dass die Teilnehmenden besser lesen, schreiben und rechnen können sowie ihre Grundkompetenzen ausbauen, um  Menschen mit Grundbildungs-defiziten bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen. Zielgruppe der Maßnahmen sind benachteiligte Erwachsene im erwerbsfähigen Alter (von 16 Jahren bis zum Eintritt in das Rentenalter) mit mangelhaften Kenntnissen im Lesen und Schreiben.

Die Frage, wie mehr Betroffene für die Teilnahme an Kursen gewonnen werden können, ist dabei von zentraler Bedeutung. Wir nutzen unser Know-how als erfahrener Bildungsträger, um attraktive Angebotsformate und Lernarrangements zu entwickeln und vorzuhalten, die sich nahe an der Alltagsrealität der betroffenen Menschen orientieren. Die beratende und ermutigende Ausrichtung von Kurs- und Unterstützungsangeboten ermöglicht es Betroffenen, mit größerem Selbstvertrauen im Alltag, in Berufsvorbereitung bzw. in Ausbildung und Beruf zurechtzukommen.

Seit 2013 ist in den Regionen Pfalz, dem Hunsrück und in Rheinhessen durch die Kontinuität des Angebots an ESF-geförderten Maßnahmen und Unterstützungsangeboten der ELAG das Vertrauen der Teilnehmenden in die eigene Lernfähigkeit gewachsen und es sind Anreize zur Teilnahme weiterer Betroffener entwickelt worden. An allen Standorten werden sowohl Einführungs- wie Fortgeschrittenenkurse durchgeführt. 2017 sind 16 Kurse an 4 Standorten mit 200 Teilnehmerplätzen geplant. Neben der Verbesserung der Grundbildungskompetenzen sind die Steigerung des Selbstwertgefühls, die Erweiterung des individuellen Handlungsspielraums und die Befähigung zur gesellschaftlichen Partizipation weitere Ziele der Kurse. 

Das Kursangebot ist auf die regionalen Verhältnisse ausgerichtet. In der Regel werden Kurse mit einem Umfang von 80 – 100 UE angeboten, die zwei Mal im Jahr beginnen. Die Anzahl der UE/Woche ist ebenfalls an die unterschiedlichen Bedarfe der Zielgruppen und die regionale Ausgangssituation angepasst. Der Unterricht mit Menschen mit Lücken in der Grundbildung bedarf teilnehmergerechter Methoden und einer speziellen zielgruppenorientierten Didaktik. Die Lehrenden der ELAG werden bzw. sind dafür in entsprechenden Fortbildungen geschult. Individuelle Ansprache, Schaffung einer vertrauten Atmosphäre, erwachsenengerechtes Lernen in kleinen Gruppen und an einem geschützten Lernort, Vertraulichkeit sind unverzichtbare Bestandteile der Lernkultur in diesem Feld. Zentrale methodische Elemente sind Biografie- und Lebensweltorientierung, der Umgang mit heterogenen Gruppen und die Binnendifferenzierung im Unterricht. Vor Kursbeginn erfolgt eine Feststellung des individuellen Bedarfs. Die Lernberatung knüpft an die Themen- und Fragestellungen der Erstberatung an und bildet einen roten Faden bis zum Ende des Kurses, um den individuellen Lernstand laufend zu beobachten, auszuwerten und weitere Schritte zu planen.

Die Arbeit der kursdurchführenden Einrichtungen wird überregional durch die Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung koordiniert. Dadurch ist gewährleistet, dass die Kurse nach gemeinsamen Qualitätskriterien durchgeführt werden

Auf Landesebene kooperiert die ELAG mit den weiteren maßgeblichen Trägern in einem rheinland-pfälzischen Alphabetisierungs- und Grundbildungsnetzwerk (GrubiNetz). Ein wichtiger Kooperationspartner auf Bundesebene ist das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) mit dem Projekt CurVe zur Verbindung von Grundbildung und Schuldnerberatung. Hinzu kommen eine Vielzahl weiterer Netzwerke und Kooperationen auf regionaler Ebene. Wir binden aktiv regionale Akteure wie Jobcenter, kommunale und kirchliche Beratungsstellen, Betriebe, Schulen usw. ein, die Menschen mit Lücken in der Grundbildung erkennen und in die Beratungsangebote und Kurse vermitteln. Unsere zentralen Aktivitäten in den Netzwerken sind die Information, Sensibilisierung und Vorstellung der Kurs- und Unterstützungsangebote in den jeweiligen Regionen bis hin zur Einrichtung neuer Kurse.

Weitere Informationen zu Vorgaben des ESF-Projektes können den Webseiten entnommen werden:

Fortbildungen und Kurse für Kursleitende im Bereich Grundbildung

Die Fortbildungen und Kurse für Kursleitende im Bereich Grundbildung entnehmen Sie bitte der Anlage.

GrubiNetz – Kompetenznetzwerk Grundbildung und Alphabetisierung Rheinland-Pfalz

7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland können keine zusammenhängenden Texte lesen oder schreiben. Diese aufrüttelnden Zahlen wurden 2011 durch die leo.-Level-One Studie der Universität Hamburg ermittelt.
Da auch in Rheinland-Pfalz zu viele Menschen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, will das Projekt „GrubiNetz – Kompetenznetzwerk Grundbildung und Alphabetisierung Rheinland-Pfalz“ für Menschen mit Grundbildungsbedarf den Weg zu Unterstützungs- und Lernangeboten erleichtern. GrubiNetz will wirkungsvolle und nachhaltige Unterstützungsstrukturen schaffen, um für jede und jeden in Rheinland-Pfalz die Teilhabechancen am sozialen und ökonomischen Leben zu erhöhen.

Dazu sieht das Projekt ein Kompetenznetzwerk vor, das vier Netzwerkkoordinator/innen in den Regionen Mittelrhein/Westerwald-Taunus, Eifel/Trier/Mosel, Rheinhessen-Nahe und Pfalz aufbauen, vertiefen und weiterentwickeln. Dazu vernetzen sie sich mit den regionalen Akteuren, die mit den Zielgruppen in Kontakt kommen, beispielsweise Beschäftigte in Beratungsstellen, Jobcentern, Schulen, Weiterbildungseinrichtungen oder in der Verwaltung. Diese Akteure wiederum werden für die Thematik sensibilisiert und dabei unterstützt, wie sie Menschen mit Grundbildungsbedarf ansprechen und sie in entsprechende Unterstützungsangebote vermitteln können.

Ein Schwerpunkt bei der Sensibilisierung der Netzwerkpartner ist 2015 die „Einfache Sprache“ , mit der Informationen, Briefe oder auch Literatur für Betroffene verständlich gemacht werden können. Dabei will GrubiNetz die jeweiligen Partner in den regionalen Netzwerken so unterstützen, dass sie die „Einfache Sprache“ kennen und dadurch die Möglichkeit erhalten, Informationen auch in ihren eigenen Institutionen nach diesem Prinzip aufzubereiten, damit diese für alle Menschen verständlich und leicht lesbar sind.

International besteht eine Kooperation mit dem Bundesinstitut für Erwachsenenbildung in Österreich (bifeb).

Kooperationspartner:

Die Arbeit des Netzwerks wird von fünf staatlich anerkannten Weiterbildungsträgern in Rheinland-Pfalz umgesetzt:

  • ARBEIT & LEBEN Rheinland-Pfalz gGmbH (Projektträger)
  • Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz e.V.
  • Katholische Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz e.V.
  • Landesarbeitsgemeinschaft anderes lernen e.V.
  • Verband der Volkshochschulen von Rheinland-Pfalz e.V.

Die Netzwerkkoordinator/innen betreuen die folgenden Regionen:

  • Region Mittelrhein/Westerwald-Taunus,
    Ansprechpartner: Heiko Hastrich, E-Mail: alphakurs@andernach.de
  • Region Eifel/Mosel/Trier,
    Ansprechpartnerin: Rita Novaki, E-Mail: novaki@keb-rheinland-pfalz.de
  • Region Rheinhessen-Nahe,
    Ansprechpartnerin: Susanne Syren, E-Mail: susanne.syren@elag.de
  • Region Pfalz,
    Ansprechpartnerin: Bärbel Zahlbach-Wenz, E-Mail: b.zahlbach-wenz@grundbildung-rlp.de

Projektmanagement:

  • Lisa Göbel, E-Mail: goebel@vhs-rlp.de

Landesweite Koordinierungsstelle Alphabetisierung und Grundbildung:

Dieses Projekt wird durch das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz, durch Mittel des Europäischen Sozialfonds, sowie durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz gefördert.

 

Neue Broschüre

Die Broschüre „Alphabetisierung & Grundbildung Rheinland-Pfalz / Zusammen mehr erreichen“ finden Sie ab sofort unter „Materialien

Anforderungspofil Kursleiter/Innen Für ESF-Alphabetisierungskurse Und Unterstützungsmaßnahmen

Für die Durchführung von Alphabetisierungskursen und Unterstützungsmaßnahmen sowie von Lernberatungen innerhalb des Europäischen Sozialfonds sind die Einrichtungen der Evangelischen Erwachsenenbildung, die in diesem Bereich Angebote machen, auf der Suche nach kompetenten Kursleiterinnen und Kursleitern mit Erfahrung. Über Voraussetzungen und benötigte Qualifikationen informiert Sie unser Anforderungsprofil.

Anfragen und Bewerbungen besprechen Sie bitte mit den genannten Ansprechpartner/innen unserer Einrichtungen, die sich an dem Projekt „Alphabetisierungskurse und Unterstützungsmaßnahmen“ im Rahmen des Europäischen Sozialfonds beteiligen (siehe Anhang).

Anforderungs- und Aufgabenprofil für Kursleiter/innen

Anforderungen:

Voraussetzungen für eine effektive Mitarbeit als Kursleiter/in in den Alphabetisierungs- und Grundbildungsangeboten des Projekts „Alphabetisierungskurse und Unterstützungsmaßnahmen“ sind

  • die Bereitschaft zu einer größeren psychischen und zeitlichen Belastung durch Unterricht, Lernberatung und ggf. Betreuung von Teilnehmenden
  • die Bereitschaft, langfristige Verantwortung für eine Lerngruppe zu übernehmen,
  • die Bereitschaft kooperativ und in Netzwerkstrukturen zu arbeiten.

Die Kursleiter/innen in den Alphabetisierungskursen und Unterstützungsmaßnahmen des Projekts sind in der Regel neben- oder freiberuflich auf Honorarbasis tätig. Sie bringen in der Regel folgende Ausbildung bzw. Berufserfahrung mit:

  • Studium Pädagogik, Sprachwissenschaften, Erwachsenenbildung, Germanistik, Sozialarbeit, Sozialpädagogik und / oder Erfahrungen in Deutsch als Fremdsprache / Deutsch als Zweitsprache
  • Lehrer/innen an allgemeinbildenden Schulen
  • Lehrer/innen an Sonderschulen
  • Berufsschullehrer/innen
  • (Diplom)-Pädagog/innen
  • (Diplom)-Psycholog/innen
  • Student/innen
  • Sonstige

Nach Möglichkeit verfügen die Kursleiterinnen und Kursleiter bereits über Unterrichtserfahrung in Alphabetisierungskursen mit deutschsprachigen Erwachsenen und / oder in Integrationskursen mit Alphabetisierung.

Kursleiter/innen / Dozent/innen sind vertraut mit förderdiagnostischen Verfahren zur Ermittlung der Schriftsprachkompetenz Erwachsener und sind in der Lage, spezifische Aspekte der Alphabetisierung von Migrantinnen und Migranten zu berücksichtigen, insbesondere in Bezug auf den Erwerb von grundlegenden schriftsprachlichen Kompetenzen.

Die Kursleiter/innen qualifizieren sich in Fortbildungsveranstaltungen für die Arbeit im Alphabetisierungsbereich bzw. bilden sich regelmäßig weiter. Der Besuch mindestens eines Einführungsseminars ist für alle Kursleitenden empfohlen. Nach Möglichkeit schließen sie sich einer regionalen Arbeitsgruppe an.

Aufgaben:

  • Konzeption, Vorbereitung und Durchführung der im Förderansatz „Reduzierung von Analphabetismus“ definierten Kursangebote und der Lernberatung
  • Didaktische Konzepte erstellen und lernerorientiert umsetzen
  • Lernsituationen erwachsener Lernender berücksichtigen und lebensnahes Lernen ermöglichen
  • Geeignetes Unterrichtsmaterial kennen lernen, entwickeln, erstellen, austauschen
  • Analyse von Lehrwerken und Unterrichtsmaterialien
  • Besondere Inhalte, Methoden und Übungsformen der Alphabetisierung / Grundbildung kennen, gezielt im Unterricht umsetzen und bedarfsgerecht berücksichtigen (z.B. Lernportal ich-will-lernen.de, Motivationselemente zur Steigerung der Lernmotivation und Ausdauer, ökonomische Grundbildung, Rechnen, Arbeiten am PC)
  • Kollegialer Erfahrungsaustausch zur Arbeit mit Analphabet/innen, zu sozial stark divergierenden Gruppen und zur Arbeit in den einzelnen Einrichtungen
  • Lernfortschritte bewerten und mit den Teilnehmer/innen besprechen
  • Individueller Förderpläne mit den Teilnehmer/innen erstellen
  • Im Rahmen ihrer Unterrichts- bzw. Beratungstätigkeit verpflichten sich die Kursleiter/innen, die Rahmenbedingungen für den Förderansatz „Reduzierung von Analphabetismus“ im Rahmen der Umsetzung des Europäischen Sozialfonds in Rheinland-Pfalz sowie die weiteren Regelungen des Europäischen Sozialfonds und des Ministeriums für Soziales, Arbeit Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz in der jeweils gültigen Fassung zu beachten

Weitere Informationen zu Vorgaben des ESF-Projektes können den Webseiten entnommen werden:

Statement des Beauftragten der Evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz

Statement des Beauftragten der Evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz anlässlich der Vorstellung des Bündnisses gegen funktionalen Analphabetismus am 21.05.2013 in der Agentur für Arbeit, Mainz

Im Namen der Evangelischen Kirchen im Lande Rheinland-Pfalz danke ich dem Land Rheinland-Pfalz und namentlich dem Bildungsministerium und Frau Staatsministerin Ahnen sehr herzlich für ihr Engagement bei der Initiative für Alphabetisierung und Grundbildung und dafür, dass Sie viele Akteure in einem Netzwerk zusammen bringen. Ich möchte ganz am Anfang meines Statements mit einem Beispiel ein wesentliches Motiv unserer Beteiligung deutlich machen: Wir wollen, dass die Mutter, die aus welchen Gründen auch immer nie richtig lesen und schreiben gelernt hat, ihrer erwachsenen Tochter oder ihrem Sohn einen Geburtstagsgruß schicken kann und dass sie sich auf dem Amt nicht mehr schämen muss, weil sie nicht unterschreiben und die Formulare nicht selbst lesen kann. Das ist jenseits des wichtigen Themas der Arbeits- und Berufswelt ein starkes Motiv sich daran zu beteiligen, dass Menschen den aufrechten Gang lernen, sich nicht schämen müssen und soziale Beziehungen in der Weise pflegen können, wie es in unserer schriftgeprägten Kultur üblich ist.

Die Evangelischen Kirchen beteiligen sich sehr gerne – vor allem über die ELAG (Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung, http://www.elag.de/) an dieser Initiative vor dem Hintergrund, dass die evangelischen Fachstellen und Einrichtungen für Erwachsenenbildung wie auch die Diakonie bereits vor 20 Jahren damit begonnen haben, überwiegend durch Sprach- und Orientierungskurse, aber auch durch Alphabetisierungskurse für Migrantinnen und Migranten Grundvoraussetzungen zu bieten, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Seit 2008 bietet die Evangelische Erwachsenenbildung verstärkt auch Kurse im Bereich der Grundbildung Deutschsprachiger an, von denen, wie wir seit der Veröffentlichung der erschreckenden Zahlen der LEO-Studie wissen, 7,5 Millionen, d.h. ein durchaus erheblicher Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung, nur unzulänglich lesen und schrei-ben können.

Wir tun dies als Evangelische Kirche und Diakonie in der Linie unserer Tradition mit einem doppelten Motiv: „Bildung für alle!“ war ein zentrales Motiv der Reformation, an die wir in diesen Jahren erinnern (2017 feiern wir 500 Jahre Reformation). Die damals „Obrigkeit“ genannten Regierungen wurden von den Reformatoren aufgefordert, Schulen für alle einzurichten. Gleichzeitig ist Bildung für alle ein wesentlicher Baustein für soziale Gerechtigkeit, für die wir uns einsetzen. Lesen und Schreiben zu können ist nicht nur eine wichtige Voraussetzung für den Einstieg in die Berufs- und Arbeitswelt, sondern gehört zur Teilhabe im alltäglichen Leben in unserer Gesellschaft.

Deshalb suchen wir den niederschwelligen Kontakt zu Menschen, die mit diesem Problem zu kämpfen haben, es aber aus Scham oftmals nicht thematisieren: Etwa im Kontext der Tafelarbeit oder in unseren rund 430 Kindertagesstätten, die einerseits selbst zu elementarer Bildung wesentlich beitragen, wo wir aber auch Kontakt zu Eltern finden, die von der Problematik betroffen sind. Für die Einzelbetreuung Betroffener qualifizieren wir Ehrenamtliche.

Der Aufbau regionaler Netzwerke unterschiedlicher Akteure kann tatsächlich als einer der wichtigsten Schritte gelten, um Betroffene zu erkennen, mit der gebotenen Sensibilität anzusprechen und passgenaue Angebote für die verschiedenen Zielgruppen zu entwickeln. Vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen in diesen Projekten zeigt die heutige Vorstellung der landesweiten Initiative zur Alphabetisierung und Grundbildung ihre wichtige politische Bedeutung! Wir wünschen dem Projekt eine gute Zukunft!

Breites Bündnis gegen funktionalen Analphabetismus im Land

Am 21.05.2013 fand die offizielle Unterzeichnung der Landesinitiative „Alphabetisierung und Grundbildung“ durch die Unterstützer statt, zu denen  die Landeskirchen gehören, vertreten durch den Beauftragten der Evangelischen Kirchen im Lande Rheinland-Pfalz, Herrn Dr. Posern.

Anlässlich der Unterzeichnung wurde auch die neue Internetplattform „Alpha-Portal Rheinland-Pfalz“ vorgestellt.

„Das Portal stellt die verschiedenen Aktivitäten im Land vor, gibt eine Übersicht über Alphabetisierungskurse und deren Anbieter und stellt zielgruppenspezifische Informationen – beispielsweise für Lernende, Kursleiterinnen und Kursleiter – bereit“. (Auszug aus der Presseerklärung)

Informationen für Abrechner

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